Was wir von Chili lernen können

Der Wahnsinn des Kochens
Ich habe in der Gastronomie kochen gelernt. Und wenn es einen Satz gibt, den ich aus dieser Zeit mitgenommen habe, dann ist es der: „Unter Druck entstehen Diamanten.“
Schön und gut – aber ich bin keine Kohlenstoffstruktur, sondern eine Köchin mit einer Vorliebe für so manche kulinarische Spielerei und einem Nervensystem, das nicht für Dauerstress ausgelegt ist.

Wenn du einmal in einer Profiküche gearbeitet hast, kennst du das: Mehrere Pfannen auf dem Herd, Bestellungen prasseln auf dich ein, während der Kollege neben dir verzweifelt nach Koriander sucht und der Küchenchef lauthals jemanden zur Schnecke macht, weil Tisch 8 seit 15 Minuten auf seinen glutenfreien, veganen Sonderwunsch wartet. Willkommen im kulinar(r)ischen Hochleistungsbetrieb.

Dieses Prinzip lässt sich übrigens auf viele andere Berufe ausrollen – egal in welcher Branche du unterwegs bist…

Multitasking? Pfff, das Gehirn lacht sich schlapp!
Ich dachte lange, Multitasking sei eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Küche. Während das Gemüse brutzelt, die Sauce reduziert und der Fisch auf den Punkt gart, sollte doch auch noch Zeit bleiben, mit den Gästen zu plaudern und nebenbei den Mitstreiter zu koordinieren – oder? Die Wahrheit ist ernüchternd: Unser Gehirn ist nicht für Multitasking gemacht. Es kann nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun, sondern wechselt nur blitzschnell zwischen Aufgaben hin und her. Und genau das kostet Energie, Konzentration und Qualität. Jede Sekunde, in der ich den Schneebesen suche, während die Pfanne zu rauchen beginnt, ist eine Sekunde, in der meine Aufmerksamkeit leidet – und das Essen oft gleich mit.

Viel sinnvoller ist es, sich auf eine Aufgabe nach der anderen zu konzentrieren. Klingt langsam? Ist es nicht! Wer fokussiert arbeitet, macht weniger Fehler, bleibt ruhiger und ist am Ende sogar schneller. Und mal ehrlich: Ein perfektes Gericht ist doch immer noch besser als fünf halbfertige.

Was wir nun von Chili lernen können
Hier kommt jetzt die Ironie: Chili selbst ist eigentlich ein Symbol für kontrollierten Stress. Es enthält Capsaicin, eine Substanz, die unser Gehirn in Alarmbereitschaft versetzt. Unser Körper reagiert, als hätten wir eine Bedrohung im Mund – schwitzen, Endorphinausschüttung, manchmal sogar Tränen. Und wir lieben es.

Das Geheimnis? Wir dosieren es selbst. Niemand zwingt uns, zu viel Chili zu nehmen – und genau das ist der Unterschied. Unter selbst gewähltem Druck könne wir wachsen, unter fremdbestimmtem Druck gehen wir in Flammen auf. Und so nebenbei: permanenter Stress ist auch kein geschmackliches Highlight, sondern ein direkter Weg in die totale Erschöpfung.

Lernen, sich Zeit zu nehmen
Heute weiß ich: Gutes Kochen braucht keinen Hochdruck, sondern Hingabe. Die besten Gerichte entstehen, wenn man sich auf das konzentriert, was gerade vor einem liegt – sei es das perfekte Anbraten einer Zwiebel oder das genüssliche Abschmecken einer Sauce. Nicht alles auf einmal, sondern Schritt für Schritt. Und ja, auch ein bewusster Umgang mit Würze – nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern genau richtig. Denn manchmal ist weniger eben mehr.

Ich bin in der glücklichen Lage, nur noch selten selbst in der Gastronomieküche stehen zu „müssen“ und zu performen – und genau das hat mir eine neue Perspektive gegeben. Ich schätze die Kunst des Kochens heute mehr denn je, nicht als Hochleistungssport, sondern als achtsames Handwerk.
Mein größter Respekt gilt all jenen, die diesen Job täglich mit Leidenschaft und Hingabe machen. Ihr schafft nicht nur großartige Gerichte, sondern bewahrt auch die Magie des Kochens – und das verdient höchste Anerkennung.

Friendly Reminder zum Schluss:
Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit
Am Ende des Tages sind wir alle selbst für unsere mentale und emotionale Balance verantwortlich. Es wird selten jemand kommen und sagen: „Setz dich mal hin und atme durch.“ Diese Erlaubnis müssen wir uns selbst geben. Pausen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von kluger Selbstfürsorge. Schon eine kleine Veränderung – nur 1 % bewusster mit sich selbst umgehen – kann eine enorme Wirkung haben. Und falls du dich jemals dabei ertappst, dich faul zu fühlen, weil du auf dich achtest: Vergiss es.
Wer sich selbst gut behandelt, kann auch langfristig für andere da sein – in der Küche und darüber hinaus.

Die Magie der ersten Male

Über den 1. Blog-Eintrag und genussvolle Erinnerungen in der Küche.

Es gibt Momente im Leben, die wir nie vergessen – unsere „ersten Male“. Ich hab eine sehr sehr gute Freundin, die fokussiert das auch genau so einmal im Monat. Einmal im Monat was Neues ausprobieren. Klingt ganz schön stressig, oder?
Der erste Schultag, die erste große Reise oder die erste große Liebe – Momente, die in Erinnerung bleiben. Und die „passieren“ auch manchmal ganz von allein, ganz ohne Fokus. Also doch nicht ganz so stressig, eher sehr natürlich. So wie aus einem Lückenfüller auf der Website ein Blog wurde. So einfach ist es manchmal.
Auch ein Bereich, in dem viele dieser besonderen Erlebnisse stattfinden, ist die Küche.
Der erste selbstgebackene Kuchen, das erste aufwendig gekochte Gericht oder der erste Geschmack einer völlig neuen Zutat – all das bleibt uns im Gedächtnis, weil es mit Genuss, Freude und oft auch ein wenig Nervosität verbunden ist. Ich persönlich werd ja bei Chili immer ein bisserl nervös. Aber mehr dazu ein anderes Mal …

Warum schmecken erste Male besonders intensiv?
Unser Gehirn liebt das Neue. Studien zeigen, dass wir uns an Dinge, die wir zum ersten Mal erleben, viel intensiver erinnern. Das gilt auch für den Geschmack. Denk einmal an das erste Mal, als du eine Zitrone probiert hast – die unerwartete Säure, die den ganzen Mund zusammenzog. Ich kann mich ja nicht an die Zitrone erinnern, dafür aber noch sehr gut an den ersten Stangensellerie. Oder an den ersten Bissen eines perfekt gewürzten Gerichts, das die Sinne überwältigt hat.

Gerade beim Kochen sind erste Male oft mit starken Emotionen verknüpft:
Das erste selbst gekochte Gericht – Stolz und vielleicht ein wenig Chaos in der Küche.
Das erste Mal ein exotisches Gewürz probieren – eine Entdeckung für den Gaumen.
Das erste Mal ein eigenes Rezept kreieren – der Beginn eines neuen kulinarischen Abenteuers.

Kochen als Reise der Sinne
Jeder neue Geschmack eröffnet uns eine kleine Welt. Vielleicht erinnerst du dich an den ersten Löffel eines cremigen Risottos oder das erste Mal, als du frisches Basilikum zwischen den Fingern gerieben hast. Solche Erlebnisse sind mehr als NUR Essen – sie sind Genussmomente, die uns begleiten und inspirieren. An dieser Stelle ein Big Shoutout an die großartige Petra Eder, die meine Liebe für gutes Risotto überhaupt erst erweckt hat und die auch eine unfassbar inspirierende Köchin ist.

Warum wir uns neue erste Male in der Küche gönnen sollten
Mit der Zeit neigen wir dazu, immer wieder die gleichen Gerichte zu kochen und zu essen. Doch echte Freude am Genuss entsteht oft nur dann, wenn wir Neues ausprobieren. Warum also nicht ein Gericht aus einer völlig fremden Küche kochen? Eine Zutat verwenden, die du noch nie probiert hast? Oder auch ein Familienrezept abwandeln und ihm deine eigene Note verleihen?

Fazit: Der Geschmack der Erinnerungen
Erste Male in der Küche sind etwas Besonderes. Sie prägen unseren Geschmack, unsere Kochkünste und unsere Freude am Essen.
Also: Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gekocht – und wie hat es geschmeckt?